Die Siebdruckwerkstatt findet freitags 10-12 Uhr im Kunstgruppenraum statt

Seit Oktober sieht man Freitagvormittag im Raum der Kunstgruppe die Leute, die sich mit Cuttermesser, Skalpell, Folien-schablonen und einige gar mit Sieben eifrig beschäftigen. Seitdem ist auch im Haus das Wort „Siebdruck“ da und aus vielen Mündern zu hören.



Wir, fast alle, sind von Grafik-Druckkunstbegeistert. Holzschnitt, Holzstich, Radierung, Aquatinta... sind faszinierende Begriffe. Nur Siebdruck, meiner Empfindung nach, ist ein weniger anziehendes Wort. Auch in meinem Ohr erklang lange Zeit nur das Wort „Lithografie“ und deshalb machte ich auch mit dieser grafischen Technik meine Diplomarbeit. Erst später, ich sage mal, als ich meine „freie schöpferische Beschäftigung“ mit Brotverdienst kombinieren mußte, bin ich mit Siebdruck in engen Kontakt gekommen und erkannte wie schön dieses grafische erfahren ist. Siebdruck hat viele Namen. Es hängt davon ab, aus welchem Blickwinkel man ihn betrachtet.

Diese Vielzahl der Namen spiegelt dessen Vielseitigkeit wider. Man kann Siebdruck auf unzähligen Materialien anwenden und kombinieren: Papiere, Holz, Metall, Kunststoffe, Textilien und so weiter und sofort. Siebdruck erlaubt eine sehr präzise künstlerische Vorge-hensweise und ermöglicht aber auch eine sehr flotte Arbeitsweise. Er macht uns Freude bei der Realisierung genau geplanter künstlerischer Vorhaben und zugleich ermöglicht er tolle Effektüberraschungen. „Seriengrafie“ ist ein anderer Name für den Siebdruck. Er ist vielleicht nicht gerade schön anzuhören, aber wenn wir mit dieser „Serienfähigkeit“ die Entfaltung unserer künstlerischen Arbeiten, von Phase zu Phase zu verfolgen und erhalten, meinen, dann können wir was ganz Tolles mit Siebdruck schaffen. Dazu ist Siebdruck ein besonders gutes Mittel der Plakatkunst und der allgemeinen grafischen Gestaltung. Mit ihm können wir die Originalität eines Kunstwerkes in einer relativ hohen Auflage übertragenHeute sitzen die Kumpel da, mal fünf, mal acht, beharrlich (natürlich nicht ohne Begeisterung) um Schablonen aus Folien zu schneiden, mit alten Rakeln Farbe auf die zum Teil noch staubigen Siebe zu ziehen, um erste Proben zu drucken.Das ist eben der Anfang. Aber schon heute wissen wir, daß im Vereinshaus in der Mainzer Straße ein Raum für Siebdruck eingerichtet wird. Eine Siebdruckwerkstatt kann man es nennen, weil wir dort mit „richtiger“ Technikausstattung arbeiten werden (z.B. Siebentwicklung mit fototechnikähnlichen Verfahren). Die geplante Technikausstattung wird es uns ermöglichen, wenn wir wollen, Siebdruckarbeiten in die Richtung einer Projektentwicklung zu führen. Die Gedanken, daß wir mit Siebdruck viel erreichen können, macht uns richtig Freude. Am letzten Freitagvormittag kamen zu mir nacheinander zwei Kumpel, die ich zuvor noch nicht gekannt habe. Sie informierten sich über Siebdruck, dann sagte einer: Da mache ich mit. Und das ist doch schön. Oder?

Manh Tran
Siebdruck_JOD